Haben Sie Interesse, Ihre Kompetenzen in die Begleitung von sterbenden Menschen und ihren Angehörigen einzubringen? Dann Sind Sie bei uns richtig. Vielleicht möchten Sie uns aber auch in anderen Bereichen unterstützen, zum Beispiel in der Trauerbegleitung oder bei der Öffentlichkeitsarbeit – spreche Sie uns auch dann gerne an, wir brauchen immer helfende Hände!

Hospizbegleitung ist ein enorm sinnstiftendes und erfüllendes Ehrenamt. Schnell kommt man im Austausch mit Sterbenden und ihren Angehörigen an essenzielle Fragen des Lebens. Als Begleiter schenkt man seine Zeit und sich selbst als Gegenüber und fühlt sich zugleich beschenkt und bereichert.

„Leben dauert bis zum Schluss“ – unsere Begleiter sind Lebensbegleiter in der letzten Lebensphase für den Erkrankten selbst und für Angehörige. Sie lindern Einsamkeit, sind Gesprächspartner oder erfüllen kleine Wünsche. Sie besuchen zu Hause, gehen in Pflegeheime oder ins Krankenhaus.

Der Weg in die Sterbebegleitung

Die Mitarbeit in der Sterbebgleitung setzt eine gründliche Ausbildung voraus, die sich bei uns in zwei Teile gliedert: einem Einführungsseminar und dem eigentlichen Qualifikationskurs. 

In den dreitägigen Einführungsseminar nähern wir uns den Themen Abschied, Sterben, Tod und Trauer. Neben Informationen zur Hospizarbeit und uns als Hospizgruppe, geht es um eine persönliche Auseinandersetzung, Ihre eigenen Fragen, Erfahrungen und Einstellungen. Eine stabile Persönlichkeit, keine akute Trauer und die Bereitschaft, sich selbst zu reflektieren und einzubringen, sind wichtige Voraussetzungen für die Teilnahme.

Wenn Sie sich nach dem Einführungsseminar eine ehrenamtliche Mitarbeit vorstellen können, melden Sie sich zum Qualifikationskurs mit fünf weiteren Kurswochenenden an (Grundmodul, Aufbaumodul, zwei Vertiefungsmodule und eine abschließende Praktikumsbesprechung). Hinzu kommen 4o Stunden Praktikum in einem Pflegeheim, einem stationären Hospiz, einer Palliativstation oder bei einem ambulanten Pflegedienst.

Die Teilnahmegebühr beträgt 85 Euro für das Einführungsseminar und 280 Euro für den kompletten Qualifikationskurs. Die Teilnahmegebühr für den Qualifikationskurs kann bei anschließender aktiver Mitwirkung in der Sterbebegleitung erstattet werden.

All diese und weitere Informationen finden Sie kompakt in unserem Flyer zur Qualifizierung, den Sie hier als pdf-Datei herunterladen können.

Wir planen das nächste Einführungsseminar für den 27.-29.11.2026 und einen anschließenden Qualifikationskurs für das erste Halbjahr 2027. Alle Veranstaltungen werden in unseren Räumlichkeiten in der Kaiserstraße 18 in Bruchsal stattfinden; weitere Informationen werden wir zu gegebener Zeit hier veröffentlichen.

Anmeldeunterlagen können Sie unter Tel. 07251-320 40 10 oder per Mail an bruchsal@hospizgruppe.de anfordern. Ihre Ansprechpartnerin ist Barbara Daleck.

Ein persönlicher Erfahrungsbericht

Im Juli 2025 hat Myriam den Lehrgang zur ehrenamtlichen Hospizbegleiterin bei der IGSL-Regionalgruppe Bruchsal abgeschlossen. Mit Anfang 30 ist sie eine der jüngsten. Hier erzählt sie von ihrer Ausbildung.

„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“ Nach dem Abitur hat uns ein Lehrer dieses Zitat von Mahatma Gandhi mit auf den Weg gegeben. Seitdem hat es mich nicht mehr losgelassen. Zusammen mit der Frage: Wenn ich einmal alt bin und auf mein Leben zurückblicke, war es dann egal, ob ich gelebt habe oder nicht? Ist es mir gelungen, etwas zu verändern? Wenn auch nur im Kleinen?

Dass es im Hospiz- und Palliativwesen sein soll, wo ich gerne Ghandis „Veränderung“ sein würde, war mir schon sehr lange klar. Die plötzliche schwere Erkrankung und der Tod eines noch sehr jungen Menschen in meiner Teenagerzeit haben mich für das Thema sensibilisiert. Ich habe damals selbst erlebt, wie es ist, wenn Krankheit, Tod und Trauer einen mitten im Leben treffen. Was soll man sagen, wenn einem selbst die Worte fehlen? Wie helfen, wenn man sich selbst hilflos fühlt? Wie trösten, wo es eigentlich keinen Trost gibt? Damals fehlte mir der Mut, die Ausbildung zu machen. Ich verschob den Gedanken auf „irgendwann“. 13 Jahre später war „irgendwann“.

Die Ausbildung zur ehrenamtlichen Hospizbegleiterin bei der IGSL ist berufsbegleitend machbar. Sie dauert 6 Wochenenden, verteilt über 7 Monate. In verschiedenen Modulen geht es um die Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland, verschiedene Krankheitsbilder wie Krebs oder Demenz, Bedürfnisse und Wünsche am Lebensende, Kommunikation, Selbstfürsorge und Spiritualität. Neben den psycho-sozialen Themen sind auch praktische Inhalte wie die „letzte Hilfe“, ein Besuch beim Bestatter oder Vorsorge und Patientenverfügung Teil des Lehrplans. Mir ist erst durch die Ausbildung wirklich klar geworden, dass man eigentlich nie zu jung für eine Patientenverfügung ist. Vorsorgevollmacht und Co.? Solche Themen waren bei mir im Alltag untergegangen. „Hat ja noch Zeit“, dachte ich früher. Jetzt habe auch ich eine.

Wenn man im Freundes- oder Kollegenkreis erzählt, dass man in seiner Freizeit eine Ausbildung zur ehrenamtlichen Hospizbegleiterin macht, sind die Reaktionen verschieden: Überraschung, Verwunderung – Schock. Oft wurde ich gefragt, ob es nicht hart und furchtbar traurig sei, sieben Monate lang über den Tod zu reden. Meine Antwort ist: Nein. Ganz und gar nicht. Mich meiner eigenen Angst vor Krankheit, Tod und Sterben zu stellen, zu versuchen, sie zu überwinden, hat ihr viel von ihrem Schrecken genommen.

Man ist mit seinen Ängsten und Gedanken nicht allein. In der Gruppe wurde gemeinsam reflektiert, diskutiert, nachgedacht – und gelacht. Nirgendwo habe ich mehr über das Leben gelernt als bei der Auseinandersetzung mit dem Tod. Ich habe gelernt, wie zuhören geht. Wirklich zuhören. Klingt banal? Ist es aber nicht. Ich habe gelernt, was es heißt, sich Zeit zu nehmen. Wirklich Zeit. Was es bedeutet, da zu sein. Wirklich da – ohne Ablenkung durch Smartphone, Tablet und Co. Nirgendwo habe ich mehr über mich selbst gelernt. Dass ich geduldig sein kann, obwohl Geduld eigentlich nie meine Stärke war. Dass ich – trotz meiner manchmal hypochondrischen Ader – eine Palliativstation betreten kann, und es mir sogar gefällt. Ich habe gelernt, dass eigene Grenzen manchmal dazu da sind, sie zu überwinden. Und, dass es sich lohnt. In der Ausbildung geht es aber nicht nur um das Sterben oder den Tod. Verlust, Trauer, Trauerarbeit und der Umgang mit Angehörigen gehören genauso dazu. Alle Menschen, die wir begleiten, sind die Tochter, der Sohn, die Frau, der Mann, die Mutter, der Vater, die Oma, der Opa, die Tante, der Onkel, der Freund, die Freundin … von irgendjemandem. Wir alle kennen Verluste. In unserem Leben begegnen sie uns immer wieder. Die kleinen wie die großen. Wir trennen uns von Partner:innen, werden verlassen, verlieren geliebte Haustiere oder müssen uns von Lebensträumen und -entwürfen verabschieden. Das alles tut weh. Manches mehr, manches weniger. Wir alle kennen den Schmerz des „Verlust-Gefühls“ und doch sind wir oft hilflos, wenn wir mit den Verlusten anderer konfrontiert werden. Mir bewusst zu werden, dass wir alle schon „Trauernde“ waren, sind und sein werden, war für mich eine der wichtigsten Lektionen.

Auch ein 45-stündiges Praktikum in einem Pflegeheim, Hospiz oder auf einer Palliativstation ist ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung. Ich hatte mich dabei ganz bewusst für eine Palliativstation entschieden. Vorher hatte ich ganz schön Angst. Wie wird das werden? Kann ich das? Und, schaffe ich das? Vor allem emotional? Theorie ist ja das eine, Praxis das andere. Vor meinem Praktikum hatte ich mir Hospize oder Palliativstationen als düstere, deprimierende Orte vorgestellt. Als Orte voller Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Ein Bild in meinem Kopf – gezeichnet von Unwissenheit. Wer geht im Alltag schon in ein Hospiz oder auf eine Palliativstation, wenn er nicht muss? Erst durch mein Praktikum habe ich gemerkt, wie falsch ich lag. Es sind Orte des Lebens. Orte der Würde und der Menschlichkeit. Orte, an denen Lachen genauso seinen Platz hat wie Weinen. Orte, an denen Menschen alles dafür geben, Schwerstkranken ein höchstes Maß an Lebensqualität zu ermöglichen – bis zum Schluss. Orte, an denen möglichst viele gute Momente geschaffen werden und an denen man die schlechten so erträglich wie möglich macht. Orte, an denen Wünsche erfüllt werden – der Besuch vom Therapiehund, die Familie, die mit im Zimmer schläft, der eisgekühlte Kaba, die Geburtstagsfeier, der Ausflug nach draußen, das Lieblingsessen … Durch das Praktikum für kurze Zeit Teil davon sein zu dürfen, war für mich eine große Bereicherung. Selten bin ich dem Tod so nahegekommen wie in dieser Zeit – und selten habe ich mich dem Leben näher gefühlt. Dem echten Leben.

Wir alle müssen sterben – irgendwie, irgendwo, irgendwann. Das ist die einzige Gewissheit, die uns das Leben gibt. Dennoch gilt der Tod in unserer westlichen Gesellschaft oft als Tabu. Ein „Sperrgebiet“, das nur der betritt, der muss. Kaum einer will gerne über Krankheit, Tod oder Sterben sprechen. Wahrscheinlich, weil man so oft nicht weiß, wie man reagieren, was man sagen oder fragen soll. Was man fragen kann. Was man fragen darf. Die Ausbildung zur Hospizbegleiterin hat mir gezeigt, wie gut es tut, wenn wir Krankheit, Tod, Verlust und Trauer den Platz geben, den sie eigentlich haben – mitten im Leben. Mitten unter uns. Mich mit dem Sterben – auch meinem eigenen – auseinanderzusetzen hat mich gelehrt, zu leben – so intensiv und bewusst wie möglich. Es hat mich nicht etwa unglücklicher gemacht – sondern glücklicher.

Text und Bild: Myriam Cremer