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Spende aus Lesung von Peter Michel in der Schauburg

Der Autor und Verleger Peter Michel liest in der Schauburg aus seinem Buch „Da, wo ich herkomm!“ und spendet die Einnahmen der Ambulanten Hospizgruppe Bruchsal.

Zeitungsartikel von Matthias Dreisigacker aus der BNN, Karlsruhe

Ganz nah dran an der Südstadt-Szene
Peter Michel stellte neues Buch im Kohi vor

Spätestens seit dem Verlust des Dörfles ist die Südstadt jener Stadtteil Karlsruhes, der aufgrund seiner Geschichte, Sozialstruktur und Atmosphäre aus einer ansonsten vorhersehbaren urbanen Übersichtlichkeit herausragt. Hier haben sich –wie es in anderen Städten ja auch vorkommt- Künstler, Studenten oder Linke ihre Inseln geschaffen, wo es sich bequem leben lässt und man mit dem hippen Wohlstand anderer Quartiere erst in Berührung kommt, wenn man dies mal braucht – oder es endlich „geschafft hat. Der Weg dorthin ist von der Südstadt nicht weit, ein  Spaziergang über die Zoobrücke oder die Rüppurrer Straße genügt bereits.

Der Autor und Verleger Peter Michel hat mit „Da, wo ich herkomm!“ ein sehr empfehlenswertes Buch über „seine“ Südstadt geschrieben und es quasi vor Ort im Kohi am Werderplatz vorgestellt. Er hat bis zu seinem 26. Lebensjahr zunächst in der Wilhelmstraße, dann in der Baumeisterstraße gelebt, gelernt und geheiratet, ehe es ihn nach Grünwinkel zog. Private Trauer ließ den erfolgreichen Vertriebsmitarbeiter der weltgrößten Firma für Traktoren und Landtechnik innehalten und neu beginnen. Seit vier Jahren schreibt er nun, sein Sinnbild-Verlag gibt dem Wandel zudem einen ambitionierten Rahmen.

Die überwiegend sehr persönlichen Südstadt-Geschichten des 53-jährigen führen zeitlich einerseits nicht weit weg, vor allem in die 70er und 80er Jahre. Andererseits ist es verblüffend, was sich seither so alles verändert hat oder einfach verschwunden ist. Und vor allem wird sichtbar, dass sich in Erinnerungsromantik verliert, wer der vergangenen Südstadt eine Schönheit unterstellt, die es nie gegeben hat. Denn dieser Kiez war zu allen Zeiten schwierig und rau.

Michels Stil ist authentisch und sensibel, ohne den Leser zu überfordern. Besonders spannend und lesenswert wird es, wenn der Autor die Gegenwart und somit auch die Perspektive der Südstadt in den Blick nimmt. So nah wie Michel wollte der Szene um den Indianerbrunnen noch niemand kommen. Dass er dabei nur kaum die Gelegenheiten nutzen kann, sich –wie die Karlsruher überhaupt- von einer idealisierten Südstadt, die es so harmonisch gar nicht gegen haben kann, zu lösen, ist vielleicht ein wenig schade.

Michel lockerte seine Lesung immer wieder mit YouTube-Einspielern auf und wies somit unbewusst über sein Buch hinaus, was die Südstadt heute eigentlich mit all ihren Problemen ist. Die dort zu hörende Straßenlyrik und ihre Sounds mögen anstrengend sein, sind aber eben auch nah an diesem Viertel dran. Dass Peter Michel seinen Weg nicht ganz zu Ende gegangen ist, macht sein Buch nicht weniger lesenswert. Künftigen Texten über die Südstadt jedoch täte etwas mehr „ungesunde“ Härte gut.

Peter Michel „Da wo ich herkomm!“ Sinnbild-Verlag, Taschenbuch, 251 Seiten, 15,00 €, ISBN 978-3-946876-03-8